Aktionstipps

Öffentlichkeit herstellen

Hier beschreiben wir zunächst einfache Möglichkeiten, mit denen Du in deinem Alltag Menschenrechtsverteidiger_innen weltweit unterstützen kannst.

Öffentlichkeit kann Druck auf staatliche Akteure ausüben. Eine kritische Öffentlichkeit ist informiert und sensibilisiert. Repräsentant_innen aus Politik, Kirche, Universität, des öffentlichen Leben als auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie Gewerkschaften oder Menschenrechtsgruppen haben eine größere Bedeutung in der Wahrnehmung als Einzelpersonen. Wichtig ist es herauszufinden, welche Behörden und Akteur_innen in Verantwortung stehen, um Druck direkt auf sie lenken zu können.

 

Werde Medienaktivist_in

Produziere Kurzfilme mit Inhalt und stell sie ins Internet, lass deine Freunde in ihren Blogs oder social networks dafür Werbung machen. Du kannst schöne Ergebnisse bei kleineren Kurzfilmfestivals einreichen und vielleicht auf der großen Leinwand sehen. Mach kritische Beiträge im freien Radio (Offene Kanäle: da kann jeder Mensch selber Radiosendungen machen!). Slam Poetrys, Mal- oder Schreibwettbewerbe… Alles kann zur Plattform für deine Sache werden.

 

Artikel schreiben

Du kannst gut formulieren? Perfekt! Schreibe Artikel für die Lokalzeitung, aber gerade auch für die kleine Vereinszeitung, Krankenkassenzeitschrift, Schülerzeitung, Gewerkschaftsmagazine, Unizeitungen… und Internet. Nutze Artikel, um andere Interessierte auf das Thema aufmerksam zu machen.

 

Eilaktionen, Unterschriftenlisten und Briefe

…haben immer noch erstaunliche Wirkung. Zu einem Missstand wird bei einem oder mehreren Akteur_innen der Unmut schriftlich zum Ausdruck gebracht als auch konkrete Änderungsforderungen gestellt. Sehr häufig reagieren verantwortliche Entscheidungsträger_innen positiv auf diese Schreiben. Oft werden Briefe beantwortet und kleine Verbesserungen der Situation eingeleitet.

Eine Eilaktion ist ein häufig verwendetes Mittel von Menschenrechtsgruppen wie FIAN oder AI: Zu einem Fall wird ein Hintergrundpapier und eine Briefvorlage erstellt mit dem Ziel, dass in einem festgelegten (meistens ein kürzerer) Zeitraum möglichst viele Einzelpersonen aber auch Gruppen diese Briefe absenden (sowie eine Kopie an die Organisator_innen, um einen Überblick über den Rücklauf zu bekommen – diese Information können auch bestehende Menschenrechtsgruppen gebrauchen). Engagierte Einzelpersonen verfassen manchmal auch ohne organisatorischen Rahmen Briefe an Verantwortliche.

Zu viel soll man sich von solchen Briefen nicht erwarten, doch kleine Verbesserungen sind relativ einfach zu erzielen. Insgesamt bedeutet die Teilnahme an Eilaktionen wenig Aufwand mit relativ großem Nutzen!

 

An Aktionen teilnehmen

Örtliche Menschenrechtsgruppen veranstalten gelegentliche öffentliche Veranstaltungen z.B. zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Sie brauchen immer helfende Menschen und Mitwirkende. Rufe bei den Gruppen an, häufig haben diese auch Gruppen vor Ort, deren Kontaktdaten und ggf. feste Trefftermine erfährst Du in den Geschäftsstellen (siehe Adressen).

 

Aktionen organisieren

Es gibt viele Anlässe zu denen es sich lohnt, eine kleine öffentliche Aktion vor Ort durchzuführen. Ein Bezug zum lokalen Ort kann gegeben sein, muss es aber auch nicht. Dies kann ein Infostand in der Fußgängerzone sein, eine Mahnwache vor der zuständigen Botschaft, eine kleine Kundgebung mit Schweigeminute vor dem zuständigen Polizeipräsidium oder vor dem zuständigen Gericht bei betroffenen inländischen HRD.

Auf größeres Interesse stoßen kreative Aktionsformen bei Medien und Passanten, wie z.B. ein Straßentheater zum Verschwindenlassen von Regimekritiker_innen oder ein „die-in“. Ein „die-in“ ist eine simple und doch wirkungsvolle gewaltfreie Aktionsform, zu der sich Demonstranten in der Öffentlichkeit auf den Boden legen und tot stellen; dazu spricht ein Außenstehender einen Text z.B. über politische Morde. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! In der U-Bahn können 2-4 Menschen verstecktes Theater aufführen, und so den Passanten in das Geschehen (unfreiwillig) einbinden – es versteht sich von selbst, die verunsicherten Passanten im Nachhinein dann über dieses Theater aufzuklären z.B. mit einem kleinen Handzettel. Für alle Aktionsformen braucht ihr geeignetes Infomaterial sei es einen kleinen Flyer oder Material für einen Infostand. Sichtbar muss es sein. Stattet Euch also mit Transparenten, Postern und Fotos aus und macht Lärm, oder haltet vorbereitete Reden – so etwas ist wichtig, um die Aufmerksamkeit der Passanten zu gewinnen.

Diese kreativen Aktionsformen bringen mit einer kleineren Gruppe von Menschen viel Spaß. Nehmt Eure Freunde mit. Wenn eine gute Aktion vorbereitet wurde, ist auch das oft nicht mehr schwer.

 

Repräsentant_innen ansprechen

Gezielt kann man auch Repräsentant_innen ansprechen und diese über die Situation von Menschenrechtsverteidiger_innen informieren und zum Handeln anregen. Politiker_innen können sich direkt in die Diskussion z.B. über die Fraktionen in den Menschenrechtsausschuss des Bundestages einbringen, und so Prozesse anstoßen, natürlich sind diese immer auch Multiplikator_innen. Jede_r kennt in seinem engeren Umfeld irgendwelche Menschen in einflussreichen Positionen oder hat Freund_innen die solche „Wichtigleute“ kennen.

Zuständige Bundestagsabgeordnete sind immer interessiert, gerade wenn junge Menschen auf sie zukommen. Aber auch Pastor_innen, Professor_innen, Lehrer_innen, Journalist_innen, Mitglieder_innen in Vereinen oder NGOs, Betriebsrät_innen… Wenn Du Dich traust sie anzusprechen, kann mit der Zeit ein Netzwerk aus verschiedensten Menschen entstehen, die sich für Menschenrechtsverteidiger_innen einsetzen!

 

Veranstaltungen organisieren

Du kannst auch Veranstaltungen organisieren, die Menschen über die Menschenrechtslage informieren und sensibilisieren. Hilfe und Unterstützung sollte man sich bei Vereinen vor Ort holen; für fachliche Unterstützung sollten Menschenrechtsgruppen (siehe Adressenliste im Anhang) angesprochen werden. Eine Veranstaltung selber zu organisieren bringt viel Spaß! Überlege Dir, welche Zielgruppe Du erreichen möchtest. Dies hängt auch mit dem gewählten Veranstaltungsort zusammen. IPON möchte und kann Dir dabei helfen!

 

Was für eine Veranstaltung?

Bereits ganz kleine Veranstaltungen im Freundes- und Bekanntenkreis sind wichtig. Wer sich das zutraut, kann auch größere Informationsveranstaltungen in der Region durchführen. Es ist aber wichtig, sich nicht zu viel auf einmal vorzunehmen. Beginnen solltet ihr besser mit einer kleineren Veranstaltung, die mit einem großen Anteil des Freundes- und Bekanntenkreises oder der Schulklasse/ Uniseminar gefüllt werden kann. Hilfe bekommt ihr von Menschenrechtsgruppen wie AI oder IPON. Dias oder Filme können vorgeführt werden, HRD stehen für eine Diskussionsveranstaltung Rede und Antwort, eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen Akteuren oder ein Vortrag berichtet über die Lage von HRD.

 

Der Ort ist wichtig

Stellt Euch früh die Frage, wo Eure Veranstaltung stattfinden soll. Eignen können sich z.B. Schulen (einzelne Klassen oder als Schulveranstaltung), Seminare/ Veranstaltungen in der Uni, Veranstaltungen mit Selbstverwaltungsorganen von Studierenden oder Schüler_innen; Kirchengemeinden (Konfirmandengruppen, allgemeine Veranstaltungen); Veranstaltungscafés; Jugendzentren (egal ob autonome oder in anderer Trägerschaft befindliche) im Kino oder Bürgerhaus und Eine-Welt-Zentren.

 

Pressearbeit

Zu jeder erfolgreichen Veranstaltung gehört Pressearbeit. Dazu gehören die klassischen Printmedien der regionalen Zeitung, Radio und das Internet. Das Internet bietet viele Möglichkeiten zur Werbung; man kann sicherlich soziale Netzwerke nutzen um auf Themen und Termine hinzuweisen oder Mitstreiter_innen zu finden, überregionale und örtliche Veranstaltungskalender/-foren können deinen Termin aufnehmen, auf Plattformen wie Indymedia könnt ihr Artikel veröffentlichen und dabei auf die Veranstaltung hinweisen. Die Werbung für eure Veranstaltung erfüllt zwei Funktionen: Zum einen wollt ihr auf eure Veranstaltung hinweisen und zum anderen das Thema einem breiteren Publikum bekannter machen. Pressearbeit ist nicht schwer, die Journalisten aus der Region sind offen und interessiert an Bewegtem und Bildern von engagierten Menschen in der Region. In das örtliche Anzeigenblättchen kommt ihr bestimmt, wenn ihr es versucht.

 

Kooperationspartner_innen suchen

Es gibt diverse Gründe, Kooperationen mit bestehenden Gruppen einzugehen, wenn eine Veranstaltung geplant wird. Sie können mit ihren Kontakten weiterhelfen: Von der Suche nach Referent_innen, über den besten Raum für die Veranstaltung, die technische Ausstattung, und bewährte Werbemethoden. Vielleicht hilft auch schlicht die Nennung ihres Namens mehr Interessierte zu erreichen und das Publikum zu vergrößern. Es schadet nicht, Gruppen die sich für Eure Veranstaltungen interessieren könnten einfach anzusprechen, auch wenn ihr im Endeffekt “nur” ein paar Zuhörer_innen mehr gewinnen könnt.

 

Richtig werben

Jede Veranstaltung muss irgendwie beworben werden: Für kleinere und lokale Veranstaltungen ist die Mund-zu-Mund Propaganda im Freundes- und Bekanntenkreis am effektivsten. Ein kleiner mit wenig Aufwand zu erstellender Handzettel und ein Infotext, der via Emails verschickt und weiterverteilt wird, ist gut leistbar für Einzelpersonen. Will man mehr Menschen ansprechen, muss man viele Zettel verteilen und aufhängen, dann ist es wichtig, lokale Kooperationspartner zu haben, die schon Verteilerkanäle haben und ihre erreichbare Zielgruppe gut ansprechen können.

 

Organisiere Dich

Dies ist mit der wichtigste Punkte um sich dauerhaft aktiv für HRD einsetzen zu können. Auch alleine kannst Du eine Menge machen, einige der Mittmachtipps kann man gut auch alleine machen, doch in der Gruppe ist es effektiver und bringt natürlich mehr Spaß. Schließ Dich einer örtlichen oder überörtlichen Gruppe an oder mache selber eine unabhängige oder Untergruppe einer größeren Organisation auf. Beides ist sinnvoll. Wenn es in Deiner Schule oder Uni keine organisierten Gruppen gibt, die man für das Thema Menschenrechte überzeugen kann, dann mach eine eigene Gruppe auf. Hilfe erfährst Du bei IPON, AI oder anderen Gruppen (siehe Adressen).