Mandatsabschluss mit Menschenrechtler

Feiern mit Auflagen:

Erfolgreicher Mandatsabschluss mit Menschenrechtsverteidiger Cocoy Tulawie

Mandat mit Menschenrechtler

Menschenrechtsverteidiger Cocoy Tulawie bei der Mandatsunterzeichnung.

Zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen macht IPON Menschenrechtsbeobachtung. Mit dem Menschenrechtler Tulawie wurde ein Mandat ausgehandelt und erfolgreich unterzeichnet. Aus dem Mandat resultiert die Prozessbeobachtung durch IPON im Gerichtsverfahren gegen ihn. Eindrücke des IPON Team Mindanao:

 

 

Es ist Dienstag, der 20. August. Wir haben gefühlte 55°C und warten vor dem Stadtgefängnis in Davao darauf, eingelassen zu werden. Vor uns stehen noch etwa zwanzig andere Besucher. Immer wieder öffnet sich die Tür, einige Besucher werden von dem Wachmann mit Maschinengewehr hineingelassen, bevor sich die Tür wieder schließt. Wir fühlen uns ein wenig, als ob wir vor dem exklusivsten, bestbewachten Club der Philippinen stehen und auf Einlass warten. Tatsächlich möchten wir heute auch feiern, nur der Anlass ist ein ernster. Heute soll das Mandat zwischen Cocoy und Mussah Tulawie und IPON, vertreten durch das Observer-Team Mindanao und die Landeskoordinatorin Nina Johnen, unterzeichnet werden. Mit diesem Mandat wird die Zusammenarbeit zwischen uns offiziell besiegelt und bekommt einen festen Rahmen, der definiert, welche Partei wie genau arbeitet und wie sich die Rechte und Pflichten in der gemeinsamen Zusammenarbeit gestalten. Das Mandat ist für uns als Organisation insbesondere deshalb so wichtig, weil es Abbild des legalistischen Ansatzes von IPON ist. Dieser zeigt sich zum einen dadurch, dass wir nur auf der Basis nationaler Gesetzgebung, die wiederum auf internationalen Vereinbarungen beruht, arbeiten, zum anderen ist die Grundlage unserer direkten Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen immer das Mandat, in dem wir unser Handeln rechtlich manifestieren.

Dieser, eigentlich sehr schöne, Anlass wird normalerweise mit den Partnerorganisationen festlich zelebriert. Dieses Mal ist es aber anders. Das erste Mal unterzeichnen wir ein Mandat mit Einzelpersonen und nicht einer ganzen Organisation. Auch eine Mandatsunterzeichnung in einem Gefängnis gab es vorher noch nicht. Jeder von uns wird durchsucht. Unsere Kamera dürfen wir trotz ausführlicher Verhandlung nicht mitnehmen, nur einem Mithäftling wird es erlaubt, einzelne Fotos von der Unterzeichnung zu machen. Nachdem der Mandatsvertrag verlesen und unterschrieben wurde, gibt es Torte, Donuts und Tofifee, die wir für den besonderen Anlass organisiert haben. Um uns herum findet Gefängnisalltag statt. Häftlinge in gelber Gefängniskleidung laufen herum oder entspannen sich auf den Sitzbänken der Kirche, in der wir uns, wie wir später erfahren, aufhalten. Sicherheitsabsperrungen oder ähnliches gibt es nicht. Die Situation hat etwas Surreales. Die äußeren Umstände, der festliche Anlass, aber auch die trotzdem gute Stimmung stehen in einem einzigen Widerspruch zueinander.

Später bekommt einer unserer Observer noch die Möglichkeit, den Schlafplatz von Cocoy Tulawie zu besichtigen. Als Beauftragter für muslimische Angelegenheiten innerhalb des Gefängnisses hat er die Möglichkeit, in der Mosche gemeinsam mit anderen Glaubensbrüdern zu schlafen. Er hat dort eine kleine Ecke, in der seine wenigen persönlichen Utensilien, wie Kleidung und Bücher, untergebracht sind. Der Umgang mit den anderen Häftlingen dort ist sehr höflich. Es werden Hände zu Begrüßung geschüttelt und Erik wird mit vielen interessierten Blicken willkommen geheißen.

Stolz zeigt IPON gemeinsam mit Mussah Tulawie den unterzeichneten Mandatsvertrag.

Als wir das Gefängnis nach etwa anderthalb Stunden wieder verlassen, macht einer der Gefängniswärter schließlich doch noch einige Gruppenfotos von uns. Wir verlassen gemeinsam mit Mussah Tulawie das Gefängnis und die wohl merkwürdigste Party, auf der wir bisher waren.

Wir sind gespannt, wie die nächsten Schritte in dem Gerichtsverfahren aussehen werden und werden auch hier weiter darüber informieren.

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