Massengrab auf Bondoc entdeckt

Nach verschiedenen Medienberichten von Sonntag, den 22. Juli 2012, hat ein Bauer im Dorf Pagsangahan auf der Halbinsel Bondoc südlich von Manila ein Massengrab entdeckt. Beim Umpflügen seines Feldes sei Bauer Rommel Malinao plötzlich auf eine Vielzahl menschlicher Knochen und Skelette gestoßen. Daraufhin habe er sofort die lokale Polizei sowie das Militär verständigt.

„As of last count, there were about 30 human skeletons,“ ließ Major Harold Cabunoc, Sprecher des philippinischen Militärs (AFP) in der Region, verlauten. Das Militär geht davon aus, dass die Toten auf die so genannten “Kangaroo Courts” der New People’s Army (NPA) in den 1980er Jahren zurückzuführen sind. Diese Organisation verurteilte damals eine Vielzahl ihrer eigenen Mitglieder zum Tode und verscharrte die Leichen in Massengräbern. Grund für die internen Säuberungsaktionen war der Verdacht der Spionage für den philippinischen Staat bzw. das Militär.

Die NPA ist eine revolutionäre kommunistische Gruppierung, die auf den Philippinen im Jahr 1969 neu gegründet wurde, ihre Wurzeln aber bereits im Widerstand gegen die japanische Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg hat. Im Vergleich zur Zeit der Marcos-Diktatur sind die Mitgliederzahlen der NPA in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gesunken. Die Organisation operiert heute vornehmlich in ländlichen Gebieten, wo sie kontinuierlich durch Erpressungen und Entführungen von Politikern oder auch durch Angriffe auf das Militär auf sich aufmerksam macht. Bondoc ist aufgrund der abgeschiedenen Lage und der sehr ruralen Struktur seit Jahrzehnten eine der Hot-Spots der NPA.

Laut Loretta Ann Rosales, Vorsitzende der Kommission für Menschenrechte in den Philippinen, wäre es jedoch verfrüht, den Fund des Massengrabs in der Quezon-Provinz quasi automatisch mit einer internen Säuberungsaktion der NPA in Verbindung zu bringen.

“We will investigate, but let’s not make any conclusion yet on who did it,” sagte sie der amerikanischen Tageszeitung Washington Post in einem Telefoninterview. Bisher sei lediglich klar, dass man eine Vielzahl von Skeletten gefunden habe, für genauere Schlussfolgerungen seien allerdings definitiv weitere und detaillierte Nachforschungen vonnöten.

Christina Palabay, Sprecherin der philippinischen Menschenrechtsgruppe Karapatan, pflichtet ihr bei und fordert das Militär auf, die Behauptungen zunächst zu beweisen und Mutmaßungen nicht als Tatsachenberichte an die Presse zu bringen. So habe das Militär ähnliche Entdeckungen bereits in der Vergangenheit als Legitimationsgrundlage für das Verhaften diversen Linksaktivisten genutzt, denen vorgeworfen wurde, an den Säuberungen beteiligt gewesen zu sein.

Fakt ist, dass die Entdeckung des Massengrabes und die damit verbundenen, öffentlich gemachten Mutmaßungen der AFP gewissermaßen einen Schatten auf die begonnenen Friedensgespräche zwischen der philippinischen Regierung und der NPA werfen. Ob die AFP lediglich ein Interesse daran hat, einen Teil der philippinischen Geschichte aufzuarbeiten oder ob sie Ereignisse wie die Entdeckung des Massengrabs bewusst dazu benutzt, um die Spannungen hoch zu halten und radikale Gruppen des linken Spektrums zu denunzieren, bleibt unklar.

Quellen:

Washington Post Online: http://www.kleinurl.de/?bienw34894
Blog "As the World Sleeps: http://astheworldsleeps.org/node/7482
Newsinfo des "Inquirer": http://www.kleinurl.de/?j23xhl1d9k
GMA Network Philippines: http://www.kleinurl.de/?6i72t4fro1

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