Menschenrechtsverteidiger Antonio Petalcorin grausam ermordet.

Ein neuer Mord erschüttert die Sicherheit von Menschenrechtsverteidigern in den Philippinen. Antonio Ortega Petalcorin , 56 Jahre alt, hinterlässt Frau und Kinder.

 

Am Morgen des zweiten Juli 2013 wird Antonio Petalcorin auf dem Weg zur Arbeit gegen 8 Uhr morgens von einem bisher unbekannten Täter niedergeschossen. Er wird von insgesamt vier Kugeln erfasst, sie treffen ihn in die Schläfe, Hals, Brust und Schulter. Er erliegt noch am Tatort seinen Verletzungen. Antonio auch unter dem Namen „Dodong“ bekannt, war Präsident des „Network of Transport Organization“ (NETO), also Leiter einer Verkehrsgesellschaft. Doch er ist nicht das einzige Opfer. Ein weiterer Mord und ein Mordversuch an Arbeitskollegen von Antonio Petalcorin im Januar und April 2013 schockierten Davao City in Mindanao. Sie alle drei versuchten gegen die Probleme, mit denen Verkehrsgesellschaften zu kämpfen haben, anzugehen. Beispielsweise war eines ihrer Anliegen, den Anstieg des Ölpreises zu minimieren. Die größte Brisanz lag allerdings in der Aufdeckung von Bestechungsvorfällen, in denen auch hochrangige Persönlichkeiten von Transportlizenzvergabestellen, wie beispielsweise von der Land Transportation Franchising and Regulatory Board (LFTRB), verwickelt waren. Der Fernsehsender GMA 7 berichtete am 27. Oktober 2012, dass offiziell eine Fahrerlizenz etwa 6000 Php kosten würde, zuzüglich aller notwendigen Bestechungsgelder koste sie in der Regel aber etwa das Zehnfache. Antonio Petalcorin arbeitete aktiv an einer Antikorruptions- Kampagne zusammen mit der Alliance of Progressive Labor (APL), bei der er selbst auch Mitglied war.

dodong petalcorin

Antonio Ortega Petalcorin am 01.Mai 2012 bei einer Demonstration zum Tag der Arbeit.

 

Die Arbeit der APL ist sehr vielseitig und umfangreich. Sie arbeitet beispielsweise im Bereich der Frauenrechte, Jugend- bzw. Kinderrechte, Arbeitsrechte, Transport, fördert die Bildung von Gewerkschaften und kümmert sich um die Betroffenen eines Zwangsumsiedlungsprogramms. Sie ist auf nationaler Ebene landesweit tätig und versucht Menschen in allen Sektoren zu mobilisieren oder in Gruppen zusammenbringen, damit sie sich selbst für ihre Rechte einsetzen können. Die APL, die auch selbst versucht die Aufklärung des Mordfalles voran zu treiben, vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Engagement Petalcorins in der Antikorruptions- Kampagne und seinem Tod. Bisher erfolgten Nachforschungen in diesem Fall, nur auf Seiten der APL, die Commission on Human Rights (CHR) bleibt tatenlos, ebenso wie die Philippine National Police (PNP), die durch die APL informiert wurde. Ein weiterer Korruptionsvorwurf folgte seitens der APL gegen die CHR, da die APL davon ausgeht, dass Benjamin Go, der Präsident der Firma LTFRB gegen die Antonio Petalcorin mit seiner Organisation NETO und der APL gearbeitet hat, sowohl hinter dem Mord steckt als auch die CHR bestochen haben soll, was dessen Tatenlosigkeit erklären würde. Im Rahmen der Antikorruptions-Kampagne reichte Antonio Petalcorin am 28.November 2012 eine Beschwerde gegen Benjamin Go und weitere Verantwortliche der LTFRB beim Amt des Bürgerbeauftragten von Mindanao ein. Daraufhin wurde am 25. Januar 2013 Emilio de Jesus Rivera, der an der Seite Antonio Petalcorins arbeitete, in der Nähe des LTFRB Büros erschossen. Am 21. April und am 21. Mai folgten dann zwei Bombenattentate auf Carlos „Toto“ Cirilo, die beide misslangen. Auch er arbeitete mit an der Antikorruptions- Kampagne gegen LTFRB und hält sich mittlerweile versteckt.

Philippinenweit sorgt der Fall für Aufsehen, Präsident Benigno Simeon C. Aquino III wurde der Fall auch schon mittels eines Briefes herangetragen. Darin wird er aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass Menschenrechtsverteidiger geschützt werden, da der Philippinische Staat sich mit der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dazu verpflichtet hat.

Der Umgang mit den Medien erweist sich im diesem Fall als recht problematisch. Nach Aussage der APL wurden bereits Reporter von Vorgesetzten bedroht, wenn sie über diese Zwischenfälle berichten wollten. Bislang existiert jedoch ein brisantes Fernsehinterview, ein angeblicher Zeuge rief während einer Livesendung beim Fernssehsender an und sagte aus, dass er ebenfalls mit dem Mord beauftragt worden sei. Laut seiner Aussage habe er von Benjamin Go Geld erhalten, um als Gegenzug den Mord an Antonio Petalcorin zu begehen. Dazu sei es allerdings nicht mehr gekommen, da ihm jemand anderes schon zuvor gekommen sei. Nun möchte die APL über den Fernsehsender Kontakt zu diesem „Beinahe-Mörder“ aufnehmen um ihn als Zeugen in dem Mordfall zu gewinnen.

 Aktuell gibt es eine Unterschriftenaktion, organisiert von der APL, via Internet, die den Präsidenten unter Druck setzen soll, in diesem Fall aktiv zu werden. Diese hat bislang schon gut 11.000 [Stand 04.08.2013] Unterzeichnungen erreicht. Es bleibt abzuwarten, wie und vor allem ob sich Präsident Benigno Simeon C. Aquino III zu diesem Fall äußert, da dessen Stellungnahme den weiteren Verlauf der Ermittlungen erheblich beeinflussen kann.

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