Massiver Schutz durch Agrarreformministerium

„100 Polizeiangestellte,

200 Mitglieder der Armee,

Gruppen der Eliteeinheit SWAT“

Wenn man dem Farmerleader Alex Maicom zuhört, wie er geplantes Sicherheitspersonal für die bevorstehende Landübergabe auf Hacienda Diaz aufzählt, glaubt man seinen Ohren kaum. Es klingt eher wie die geplante Aushebung eines Drogenkartells als die Übergabe von Farmland an 109 FarmerInnen. Doch die Sicherheitsvorkehrungen des Agrarreformministeriums scheinen berechtigt, wenn man sich die Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit in der Gegend anschaut:

IPON erkundigt sich nach der aktuellen Sicherheitssituation auf der Hacienda

Im August 2011 erhielten die FarmerInnen, die sogenannten Agrarian Reform Beneficiaries (ARBs), der Hacienda vom Agrarreformministerium ihre Besitzurkunden und wurden damit offiziell LandbesitzerInnen von jeweils 1,67 ha. Jedoch war es ihnen anschließend nicht möglich das Land zu betreten und zu bewirtschaften. Bewaffnete Gruppen von landlosen FarmerInnen hinderten sie daran. Diese arbeiteten ebenfalls auf der Zuckerrohrplantage. Als das Gebiet jedoch 1991 in das Agrarreform-Programm aufgenommen wurde, bewarben sie sich nicht um Land – u.a. aus Angst vor Racheakten des damaligen Managements der Hacienda. Während alle, die sich um Land bewarben (ARBs), umgehend vom Management der Planatge entlassen wurden, war es jenen, die nicht von ihrem Recht auf Land Gebrauch machten (Nicht-ARBs) weiterhin möglich ihre Arbeit auf der Plantage auszuführen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zur Erklärung sei erwähnt, dass der Zeitraum zwischen der Bewerbung als ARB und der tatsächlichen Landübergabe meist Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauert.

Als nun die Besitzurkunden vor 1,5 Jahren vergeben wurden, fürchteten die Nicht-ARBs um ihren Arbeitsplatz, da das Land, auf dem sie bisher gearbeitet haben, nun an die FarmerInnen übergeben werden sollte. Da auch das Management der Hacienda um jeden Preis verhindern will, dass das Land an seine rechtmäßigen EigentümerInnen übergeben wird, unterstützen sie die Nicht-ARBs in ihren Versuchen die Landübergabe zu vereiteln. So scheiterte die geplante, offizielle Landübergabe des Agrarreformministeriums am 29. November 2011, indem die Nicht-ARBs und ihre Familien die Zugangswege zur Plantage verbarrikadierten. Daneben wurden gegen Alex und andere engagierte FarmerInnen seit der Zeit bereits mehrmals Todesdrohungen ausgesprochen, um sie davon abzubringen sich weiter für die Landübergabe einzusetzen.

Ruhe vor dem Sturm?

Bis heute bewirtschaften und ernten die Nicht-ARBs das Land, dass ihnen nicht gehört und leben von den Profiten, die die Plantage abwirft. (2002 wurde der jährliche Umsatz der Zuckerrohrplantage auf umgerechnet ca. 231.450 € geschätzt.) In einem verzweifelten Versuch der ARBs, ihr Land zu bewirtschaften und für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, „besetzten“ sie am 5. Januar 2012 ihr Eigentum. Doch auch dieser Versuch wurde von der Gegenseite brutal vereitelt. (Siehe dazu den Artikel auf dem IPON Negros Blog vom 4. Februar 2013: „Failure of state responsibilities and its deadly consequences.“)

Nach mehreren gescheiterten Dialogversuchen zwischen den beiden FarmerInnen-Gruppen ist das Agrarreformministerium nun bereit – notfalls mit allen Mitteln – die geplante Landübergabe heute  endgültig durchzuführen. Mittlerweile wurden Berichte bestätigt, nach denen sich ca. 100 Bewaffnete in der Gegend aufhalten sollen, die die Nicht-ARBs und das ehemalige Management der Plantage bei ihren Versuchen unterstützen werden die Landübergabe erneut zu verhindern. Um solche Versuche zu vereiteln und den ARBs endlich die Möglichkeit zu geben ihr Land zu bewirtschaften, hat sich das Agrarreformministerium nun auf den Ernstfall für die für heute geplante Landübergabe vorbereitet.

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