update: Mord am Menschenrechtsverteidiger Petalcorin

Die Witwe Frau M. Petalcorin zeigt uns den Fundort des Leichnams ihres Mannes

Die Witwe Frau M. Petalcorin zeigt uns den Fundort des Leichnams ihres Mannes

Im Interview mit der Witwe

Die Witwe des Menschenrechtsverteidigers Petalcorin berichtet im Interview erschütternde Umstände des Mordes und fordert in deutlichen Worten: Das Morden muss aufhören! Es dürfen nicht noch mehr Menschen umkommen!

Nach neuesten Aussagen der Alliance of Progressive Labor (APL) und der Witwe, Frau M. Petalcorin, gab es von staatlichen Akteuren noch keine Bemühungen, den Fall aufzuklären (IPON berichtete über den Mordanschlag an dem Menschenrechtsverteidiger Antonio Petalcorin vom 02. Juli diesen Jahres). Die zuständige Polizeidienststelle sei noch damit beschäftigt, Fälle aus den Jahren 2009 und 2010 abzuarbeiten, für aktuelle Fälle gäbe es leider keine Kapazitäten.

IPON hatte nun die Gelegenheit [22.08.13] ein Interview mit Frau M. Petalcorin zu führen. Noch vor Beginn des eigentlichen Interviews bekommen wir den Tatort zu sehen. In der Einfahrt werden uns sofort die Einschusslöcher im Beton gezeigt. Erschütternde Überbleibsel, die von dem Attentat Zeugen. Auf der Terrasse empfängt uns Frau M. Petalcorin, sie ist souverän, viel zu oft scheint sie in den letzten Wochen ihre Geschichte schon erzählt zu haben. Hier ein gekürzter Auszug aus dem Gespräch.

Frau M. Petalcorin gemeinsam mit dem IPON-Team Mindanao

Frau M. Petalcorin gemeinsam mit dem IPON-Team Mindanao

 

IPON: Können Sie uns etwas zu der Arbeit ihres Mannes, Antonio Petalcorin, erzählen?

Frau Petalcorin: Mein Mann begann die Arbeit als Gewerkschaftsführer im Jahr 2000, aber mehr aus der Not heraus, weil es sonst niemanden gab, der sich engagierte Zuvor war er ein normaler Fahrer. Ddie meisten Fahrer haben für gewöhnlich keine gute Schulausbildung und kennen die Gesetze nicht. Mein Mann stand für diese Leute ein, er wollte dafür sorgen, dass sie nicht ausgebeutet werden und ihr Recht zugesprochen bekommen. Er ging stellvertretend für alle Fahrer zu der LTO (Local Transport Organization) und forderte Erklärungen für Maßnahmen, die gegen ihre Arbeitsverträge oder die lokale Gesetzgebung verstießen. Beispielsweise bekamen viele Fahrer keine Arbeitslizenz, obwohl sie ihnen zustand. Erst nach sechs bis zwölf Monaten wurden sie ausgehändigt, es sei denn man half mit Geld etwas nach. Dagegen hat mein Mann gekämpft.

Das Problem ist, dass der zuständige Beamte, der Präsident des Land Transportation Franchising and Regulatory Board (LFTRB), Benjamin Go, schon mehrfach wegen seiner Arbeitsweise, auffiel und Proteste in der Belegschaft auslöste. Daraufhin wurde er jedes Mal versetzt. Seit Dezember ist er in Davao tätig und auch jetzt protestieren seine Angestellten schon wieder gegen ihn und fordern seine Versetzung. Das wird immer so weiter gehen.

Haben sie die Arbeit ihres Mannes immer unterstützt? Und in wie weit waren sie selbst in diese Arbeit involviert?

Nun ja, ich habe immer verstanden, warum er es tat. Ich hatte hier immer viel zu tun, vor allem als die Kinder noch klein waren und er kam ja immer erst sehr spät nach Hause. Aber ich habe ihn immer versucht zu unterstützen und ihm eine Hilfe zu sein. Wir haben ganz unten angefangen und hart gearbeitet, manchmal 20 Stunden am Tag. Sobald wir etwas Geld gespart hatten, stiegen wir ins Transportgeschäft ein.

Gab es schon früher Bedrohungen gegen ihren Mann oder ihre Familie?

Nein, zumindest haben wir nie etwas davon mitbekommen. Wir wurden wahrscheinlich beobachtet, aber unser Haus steht an einer Hauptstraße, da fällt ein Auto oder ein Motorrad einfach nicht auf. Ich war ja zu Hause, als die Tat passierte und hätte den Täter theoretisch noch sehen können, als er flüchtete, aber bei dieser viel befahrenen Straße ist das unmöglich.

Können sie uns beschreiben, was genau passiert ist am 02. Juli diesen Jahres?

Wir sind um vier Uhr morgens aufgestanden, das ist eine übliche Zeit bei uns, aber er brauchte an diesem Tag etwas länger um richtig wach zu werden. Ich wollte ihm schon helfen seine Hose anzuziehen, aber dann hat er es doch lieber selber gemacht. (erzählt sie scherzhaft) Um sieben Uhr hatte er eigentlich ein Meeting. Bevor er ging, sah ich, dass er eine kleine Wunde am Knöchel hatte, diese habe ich ihm noch versorgt. Er war schon am hinaus gehen, als ich die Wäsche wusch, denn auch ich hatte ein Treffen um neun Uhr.Für gewöhnlich umarmte und küsste er mich zum Abschied noch, aber das war an diesem Tag anders. Dann plötzlich hörte ich die Schüsse, das ganze Haus vibrierte. Ich hatte solche Angst, das war so ein merkwürdig dumpfes Geräusch. Ich rannte zu Antonio und er rief meinen Namen, das war das Letzte, was er sagte. Ich sah ihn nur noch am Boden liegen. Er reagierte nicht mehr, als ich ihn schüttelte, da habe ich sofort den Notarzt gerufen. Ich war die Einzige, die die Schüsse gehört hatte und es wird immer in meinem Gedächtnis bleiben.

Mein Mann hat seinen Mörder gesehen, er hat ihm entgegen geblickt, denn er hatte mehrere Einschüsse direkt in die Brust. Er hatte keine Angst. Normalerweise haben wir jeden Tag Besuch von Leuten, die Antonio um Hilfe bitten oder einen Rat suchen, auch schon früh morgens. Nur an jenem Tag hatte sich nur eine Person angemeldet und diese kam dann auch noch zu spät. Wer weiß was passiert wäre, wenn wir wie üblich Besuch gehabt hätten, vielleicht hätte es den Mörder abgeschreckt.

Stehen sie auch in Kontakt mit der Witwe oder der Familie von Emilio de Jesus Riviera der am 27. November ermordet wurde oder Carlos Cirilo, auf den schon zwei Anschläge verübt wurden? Beides sind ja Kollegen ihres Mannes.

Ja, ich habe viel mit Emilios Frau gesprochen. Ich weiß nicht, wie sie das alles überlebt, sie ist so schüchtern und scheu. Sie hat vier oder fünf kleine Kinder. Emilio hat das Geld nach Hause gebracht und jetzt, von was soll sie nun leben? Sie leben sehr isoliert in den Bergen. Sie muss jetzt stark sein, um einen neuen Weg für ihre Familie zu finden.

Möchten Sie die Arbeit ihres Mannes fortsetzen ?

Seine Arbeit war wichtig und ich habe ihn auch immer unterstützt, wo ich nur konnte, aber diese Arbeit ist verzehrend und macht einen selbst kaputt. Mir wurde sofort angeboten, seine Position zu übernehmen, aber ich habe mich dafür entschieden, an anderer Stelle gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen. Ich arbeite mit Jugendlichen und versuche, ihnen eine Alternative zur Gewalt und der Kriminalität zu zeigen. Ich denke, mit dem Glauben zu Gott kann man viel Kraft und Stärke schöpfen, um auf einem rechtschaffenen Weg zu bleiben.

Haben sie Angst ?

Nein! Auf keinen Fall! Ich lasse mich nicht einschüchtern. Wenn ich in Angst leben würde, wäre das Leben ja nicht mehr lebenswert. Ich habe immer noch die Option von hier weg zu gehen. Aber ich lasse mich nicht vertreiben.

Haben sie noch Hoffnung, dass der Mord an ihrem Mann aufgeklärt wird?

Ja, ich glaube, dass es zu einer Aufklärung kommen wird. Was hätte ich sonst für einen Grund noch weiter in diesem Land zu bleiben, wenn ich keine Hoffnung mehr haben würde. Das Morden muss aufhören! Das Morden muss einfach aufhören! Es dürfen nicht noch mehr Menschen umkommen. Antonio muss der Letzte gewesen sein !

Ein Gedanke zu “update: Mord am Menschenrechtsverteidiger Petalcorin

  1. Liebe Leute da&dort,

    bitte, wo hat das den stattgefunden. Steht nirgends ein Land, ausser ganz zu unterst.
    Bitte immer, ja immer, bitte: wer, was, wo, wann, wie, etc…

    Danke und liebe Grüsse
    Kuldi P.

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